Fakten zum weiblichen Orgasmus

In diesem Beitrag möchte ich mich dem Thema weiblicher Orgasmus widmen, da dieser für nicht wenige Frauen oft nur schwer oder gar nicht zu erreichen ist.

Mein Ziel ist es dir ein besseres Verständnis und Wissen über den oft so herbeigesehnten Höhepunkt zu vermitteln. Welche Ursachen gibt es, die den Höhenflug der Frau oftmals erschweren? Das Verständnis über die eigenen körperlichen und psychischen Zusammenhänge im Körper ist der erste Schritt, um sich entsprechend weiterentwickeln zu können.

Vielleicht findest du dich bereits beim Lesen des Artikels in einigen Punkten wieder.

Was ist eigentlich ein Orgasmus?

Physiologisch betrachtet ist der Orgasmus der flüchtige Höhepunkt eines intensiven sexuellen Erlebnisses, verbunden mit rhythmischen Kontraktionen der Muskulatur im Unterleib, die sich manchmal über den ganzen Körper fortsetzen können. Frauen erleben Orgasmen sehr unterschiedlich und können auch verschiedene Arten von Orgasmen erleben, wenn sie dies gelernt haben.

Nicht jeder Orgasmus muss riesig sein. Auch kleine zarte Lustzuckungen, die sich ausschließlich auf die Genitalien beschränken, sind bereits Orgasmen.

Einige Fakten zum weiblichen Orgasmus

Grundsätzlich ist es für Frauen viel schwieriger als für Männer einen Orgasmus zu bekommen. Oftmals schaffen es Frauen alleine bei der Selbstbefriedigung zum Höhepunkt zu kommen, doch beim Sex mit dem Partner haben sie Schwierigkeiten, diesen zu erlangen.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung kommen nur 33% der deutschen Frauen beim Sex regelmäßig zum Orgasmus.

Eine Studie von Lehmann aus dem Jahr 2003 zeigt, dass nur 4% der Frauen rein vaginal einen Orgasmus erreichen können.

52 % der Frauen kommen mit einer zusätzlichen klitoralen Stimulation aufgrund der Stellung, durch den Partner, die Frau selbst oder ein Toy beim Sex zum Orgasmus. 30 % erreichen durch ausschließliche klitorale Stimulation den Höhepunkt. (Durex Studie Sexual Wellbeing Global Survey 07/08).

Etwa 12% der untersuchten Frauen sind unfähig, einen Orgasmus zu erleben bzw. haben noch nie einen erlebt. (European Society for Sexual Medicine laut Prof. Ulrich Clement).

Ursachen für Orgasmusprobleme

Jeder Mensch ist einzigartig und das ist großartig. So lernen wir Menschen auf ganz individuelle Art und Weise, wie wir uns erregen können. Dies beginnt bereits im Kindesalter und wird mit der Entdeckung der eigenen Sexualität verfeinert.

Im Folgenden möchte ich häufig in meiner Praxis als Sexualberaterin anzutreffende Ursachen besprechen, um dir ein besseres Verständnis darüber zu vermitteln. 

Fehlende Sensibilisierung der Vulva (äußerer Genitalbereich) und Vagina (Scheide)

Wir leben zwar in einer sehr sexualisierten Welt, doch noch immer sind die weiblichen Genitalien im Vergleich zum männlichen Genital mit viel mehr Scham besetzt. Dies führt dazu, dass viele Frauen ihre Genitalien gar nicht wirklich kennen.

Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass im Gegensatz zum Penis die Vagina nach innen gerichtet ist. Das heißt, um mit der Vagina Kontakt aufnehmen und diese erforschen zu können, ist es notwendig in diese einzudringen. Dieses nach innen gerichtet sein macht auch die Wahrnehmung im Alltag schwieriger. Wird ein Mann im Alltag mit erregenden Reizen konfrontiert, so meldet dies sein Penis unverzüglich und er kann dies meist sehr deutlich in der Hose wahrnehmen. Eine Frau nimmt diese Erregungsreize der Vagina oft gar nicht oder sehr eingeschränkt wahr.

Nicht selten geben Frauen in der Beratung an, dass die Vagina für sie wie eine gefühllose taube Höhle sei.

Beantworte folgende Fragen für dich:

  • Weißt du, wie deine Vulva, also deine Schamlippen oder besser Geschlechtslippen, deine Klitoris, dein Scheidenvorhof aussehen? Magst du deine Vulva, dein sichtbares Geschlecht?
  • Weißt du, wie sich deine Vagina von innen anspürt?
  • Weißt du, wo sich deine erregendsten Zonen im äußeren und im inneren Genital und an deinem ganzen Körper befinden?

Die Selbstbefriedigung und die Erforschung der eigenen Lust und erogenen Zonen besitzen für Frauen häufig nicht den Stellenwert wie für Männer, was für die Orgasmusfähigkeit der Frau jedoch sehr wichtig wäre.

Die gute Nachricht in der Sexualtherapie nach Sexocorporel ist, dass man durch ein gezieltes Training seine sexuellen Fähigkeiten erweitern kann. Dieses Training führt zu einer Erotisierung der Vulva und der Vagina. Was sich zu Beginn taub und gefühllos angefühlt hat, fühlt sich durch regelmäßiges Üben und Berühren schon bald lustvoll und erregend an.

Berühre deine Vulva und Vagina so oft es geht selbst. Schenk ihr deine Aufmerksamkeit auch im Alltag durch das Anspannen des Beckenbodens. Stell dir dazu vor, du musst das Urinieren zurückhalten. Dieses Anspannen dieser dafür notwendigen Muskeln trainiert den Beckenboden. Mach dies mehrmals am Tag über einen kurzen Zeitraum, da jedoch mit deiner ganzen Aufmerksamkeit.  Du wirst merken, dass dieses Spiel mit dem Beckenboden sehr lustvoll sein wird. 

Um ein besseres Feedback zu erhalten, ob du den Beckenboden richtig anspannst, kannst du einen oder zwei Finger in deine Vagina einführen und dort fühlen, ob du die richtigen Muskeln anspannst. Bau dies in deine Selbstbefriedigung mit ein. Wenn du es richtig machst, spürst du eine Verengung der Vagina.

Beschränkungen des Erregungsmodus

Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie wir die Erregung bis zum Höhepunkt steigern können. Sexocorporel beschreibt hier ganz genau die einzelnen Erregungsmodi. Die einzelnen Beschreibungen können dir bessere Klarheit über deinen Weg in der Erregung geben. Beachte jedoch, dass wir in den meisten Fällen Mischtypen sind.  

Folgende Faktoren, beeinflussen – positiv oder negativ – den Weg zum wohligen Orgasmus:

  • Muskeltonus (also die Muskelanspannung und -entspannung)
  • Atmung
  • Bewegung
  • Rhythmus

Je nachdem wie wir gelernt haben diese Parameter für unsere Erregung zu nutzen, werden wir eher angespannt oder entspannt beim Masturbieren oder beim Sex mit dem Partner sein. Ebenso ändert sich auch die Atmung und der Rhythmus der Muskelkontraktionen, wenn wir die Erregungskurve höher klettern.

Frauen, die Probleme haben zum Point of no return und schließlich zum Orgasmus zu kommen, weisen oftmals ein sehr eng fokussiertes Ritual zur Erreichung des Höhepunktes bei der Selbstbefriedigung auf. Es gibt einen einzigen Weg, mit dem sie das Ziel – den Orgasmus – erreichen können. Kommt es zu Störungen oder Abweichungen dieses Rituals, wird es schwierig beziehungsweise unmöglich. Im Paarsex ist eine mögliche Abweichung vom funktionierenden Ritual wesentlich wahrscheinlicher, als wenn Frau mit sich selbst alleine ist.

Andere Frauen genießen die sexuelle Erregung total und lassen sich treiben von ihrer Lust und Leidenschaft, doch sie haben nicht gelernt, wie sie letztendlich die sexuelle Energie so kanalisieren können, dass sie den Orgasmus erreichen können.

Dies sind nur zwei typische Beispiele, warum es aufgrund des gelernten Erregungsmodus in manchen Situationen schwierig oder sogar unmöglich sein kann den Orgasmus zu erreichen.

Ein Wechsel von Anspannung und Entspannung führt dazu, dass die Genitalien gut durchblutet werden und so auch empfindsamer und lustvoller auf Berührungen und den Penis reagieren. Wenn du zum Beispiel merkst, dass du dich zu sehr anspannst, lass einfach mal bewusst locker. Bewege dazu einfach dein Becken und lass deinen Atem fließen, dann hast du automatisch einen Wechsel von An- und Entspannung.

„Bin ich gut genug!“, „Hoffentlich bekomm ich einen Orgasmus!“

„Hoffentlich sieht er nicht meine Cellulite.“, „Hoffentlich bin ich feucht genug.“, „Hoffentlich tut es nicht weh.“ „Ich bin jetzt gar nicht frisch rasiert!“, „Die Küche ist noch nicht zusammen geräumt.“, „Hoffentlich kommen die Kinder nicht früher heim.“ Und nicht zuletzt

„Hoffentlich bekomm ich einen Orgasmus.“

Die Liste der Gedanken die Frauen beim intim werden mit einem Mann im Kopf haben können, ist wohl endlos lange.  Doch solange dein Gehirn mit all diesem negativen Zeug beschäftigt ist, wirst du nicht ins Spüren und Genießen kommen können.

Gerade die Fixierung auf den Orgasmus erstickt die Möglichkeit auf einen Orgasmus im Keim. Die beste Voraussetzung für den weiblichen Höhepunkt sind die Lust und der Genuss am Sex.

Nicht selten stressen auch Männer unbewusst Frauen, wenn sie unbedingt den Orgasmus der Frau anstreben. Wenn du merkst, dass dein Partner zu diesen Männern gehört, dann erkläre ihm liebevoll, dass dieser Druck die Möglichkeit eines Orgasmus im Keim erstickt.

Um in Erregung gelangen zu können, ist die Aktivierung des Nervus Parasympathicus wichtig. Dieser wird aktiviert, wenn wir entspannt sind, uns wohl fühlen und wir nicht unsicher oder gestresst sind. Angst, Unsicherheit, Stress und alle anderen negativen Gefühle aktivieren den Gegenspieler, den Nervus Sympathicus. Er lässt uns in Flucht- und Angriffsbereitschaft gehen. Der Körper ist angespannt und unempfindlich auf Berührung. Lust und Erregung ist im Fluchtmodus unerwünscht.

Beantworte folgende Fragen für dich:

  • Was brauchst du, um entspannt intim werden zu können?
  • Welche Rahmenbedingungen helfen dir dabei, dich zu entspannen?
  • Welche Berührungen helfen dir, dass du spürst, dass du dich entspannen darfst?

Sei ehrlich mit dir selbst und mit deinem Partner und überlegt gemeinsam, wie ihr einen für dich optimalen Rahmen schaffen könnt.  Zum Beispiel eine kleine Massage zum Ankommen und Runterkommen vom Alltag. Musik. Das Zimmer absperren, damit die Kinder nicht sofort reinkommen. Fenster schließen, falls du gerne laut bist.

Vielleicht willst du auch ein Toy zum Sex verwenden, welches du in der Selbstbefriedung gerne nutzt. Leg es griffbereit und überrasche deinen Partner. Männern gefällt es in der Regel, wenn sie eine selbstbestimmte, auf ihre eigene Lust schauende Frau im Liebesspiel erleben dürfen. Womanizer oder Magic Wand lassen sich perfekt beim Sex mit dem Partner integrieren und bringen dich vielleicht noch mehr in deine Lust und Erregung. Gerade beim Magic Wand profitiert neben der Frau auch der Mann von der Vibration während des Sex.

Was tun bei Orgasmusstörungen?

Wenn du mehr über deine ganz individuellen Zusammenhänge in deinem Körper wissen willst und wie du dich hier erweitern kannst, so gibt es unterschiedliche Möglichkeiten dazu.

  1. Beobachte dich beim Masturbieren und beim Sex immer wieder für kurze Zeit und nimm wahr, wie dein Muskeltonus (die Muskelanspannung), die Atmung, der Rhythmus und auch die Bewegung spürbar sind. In welchen Bereichen spürst du selbst, dass du noch Potenzial nach oben hast?
  2. Nimm eine genau Standortbestimmung deiner Sexualität vor. Sexualberatung nach Sexocorporel bietet hier eine umfassende Analyse. Danach erfolgt eine genaue Einschätzung, wo eine Erweiterung deiner sexuellen Fähigkeiten in Hinblick auf mehr Genuss und das Erreichen eines Orgasmus sinnvoll wäre.
  3. Nutze Sexological Bodywork um durch achtsame Berührungen deinen Körper, deine Vulva und Vagina ganz neu erfahren zu dürfen. Du darfst dich dabei nur aufs Wahrnehmen der ganz langsam und achtsam durchgeführten Berührung fokussieren.  Du wirst spüren, dass dadurch zu Beginn kaum wahrgenommene Körperareale immer lebendiger und lustvoller empfunden werden können. Lerne ebenso im Rahmen der Session wie du durch Atmung, Beckenbodenaktivierung, Bewegung und deiner Stimme deine Lust und deinen Genuss ganz bewusst steigern und intensivieren kannst. Wir bereiten den Weg für deinen Orgasmus, den du dann entspannt alleine weiter gehen wirst können. 

Erfahre in diesem Blogbeitrag, wie du deine Orgasmusfähigkeit verbessern kannst.  8 Tipps für Frauen zu einem lustvollen Orgasmus.

Kurz & knackig

Definition Orgasmusstörung der Frau

Die Frau erlebt trotz Lust und Genuss an der sexuellen Aktivität und ausgeprägter sexuellen Erregung keinen Orgasmus. Die Erregungssteigerung reicht nicht aus, um den Orgasmus zu erreichen.


Unterscheidung in:

  • Primäre Orgasmusstörung: besteht seit dem beginn der sexuellen Aktivität
  • sekundäre Orgasmusstörung: es gab bereits eine problemlose Phase mit Orgasmen 
  • globale Orgasmusstörung: bei jeder sexuellen Aktivität kommt es zu keinem Orgasmus
  • situative Orgasmusstörung: auf bestimmte Situationen oder sexuelle Praktiken beschränkt

Ursachen:

  • physiologisch: Schmerzen, chronische Erkrankungen, limitierter Erregungsmodus, mangelnde Erotisierung des  eigenen Geschlechts
  • psychisch: Angst, Schuldgefühle, Scham, schlechte Bewertung von Sex, Angst vor Kontrollverlust beim Orgasmus, sexuelle Traumata, 
  • partnerschaftliche: Paarkonflikte, mangelnde Kommunikation über eigene Bedürfnisse, mangelnde Anziehung

"Berühre deinen Körper, deine Vulva, deine Vagina selbst regelmäßig. Sei dabei neugierig und offen für deine Lust und Erregung."




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